Männerdomäne Consulting – Für mehr Frauen an der Spitze müssen Beratungen aktiv werden

LAB Consulting-Barometer 08-16

05.09.2016

Big Data steigert den Beratungsbedarf deutscher Unternehmen
  • 43 % der Beraterinnen bewerten männlich geprägte Kultur als Karrierebremse
  • Wahrnehmung weiblicher Stärken divergiert extrem zwischen Männern und Frauen
  • Beratungsunternehmen müssen Frauen systematischer fördern und Kulturwandel vorantreiben

München, 7. September – Frauen in Spitzenpositionen sind in der Beratungsbranche noch immer deutlich unterrepräsentiert, da die Unternehmenskultur der Branche noch immer männlich geprägt ist. Die Folge sind  entsprechende Spielregeln, Rituale, Verhaltensmuster und Netzwerke. Das sagten 45 % der befragten Beraterinnen im Rahmen des Consulting-Barometers der Personalberatung LAB & Company.

„Über die Gründe für den geringen Frauenanteil im Top-Consulting wird seit Jahren heftig diskutiert“, sagt Marcel Derakhchan, Managing Partner bei LAB & Company. „Dabei reduziert sich die Argumentation schnell darauf, das Beratungsgeschäft sei wegen der hohen Arbeitsbelastung und vieler Dienstreisen unvereinbar mit Privatleben, Partnerschaft und Familie – also nichts für Frauen.“ Das sei aber eine unzeitgemäße und falsche Haltung, so Derakhchan. „Frauen sind nicht grundsätzlich weniger leistungswillig oder mobil als Männer. Außerdem ist auch vielen Männern ihr Privatleben wichtig. Das erleben wir in unseren Gesprächen mit Kunden und Mandanten jeden Tag“, sagt Derakhchan.

Mehr Frauenförderung und Unterstützung durch Mentoren – das wünscht sich rund die Hälfte der befragten Beraterinnen. Gleichzeitig mahnen viele einen gesellschaftlichen Wandel an. „Frauen, die innerhalb weniger Monate nach der Geburt ihres Kindes wieder in den Beruf einsteigen, werden noch immer als Rabenmütter angesehen. Wenn sich diese Grundeinstellung nicht ändert, können Quote, Förderung & Co. nichts bewirken“, kommentiert eine befragte Top-Beraterin stellvertretend für viele andere.

Zwei Drittel der Consultants beiderlei Geschlechts bemängeln außerdem eine zu geringe Flexibilität der Beratungsunternehmen, um Familie und Beruf besser unter einen Hut zu bringen. „Als Consultant muss man sich für den Beruf oder fürs Leben entscheiden“, kritisiert etwa einer der Teilnehmer. „Neue Arbeitszeitmodelle würden erheblich helfen, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen – aber auch von männlichen High-Potentials“, sagt LAB-Geschäftsführer Derakhchan. „Familienplanung ist kein rein weibliches Thema mehr. Dass Väter ihren Beitrag zur Kinderbetreuung leisten, ist gerade in der jüngeren Generation vielfach selbstverständlich.“

Erstaunlich ist die geschlechterspezifisch sehr unterschiedliche Wahrnehmung weiblicher Stärken im Beratungsgeschäft: So halten nur 21 % der Berater ihre Kolleginnen für besonders analytisch. Das attestieren sich und ihren Kolleginnen aber fast doppelt so viele Frauen (40 %). Und nur ein Drittel der Männer (34 %) hält Beraterinnen für sehr teamfähig (Frauen: 61 %). Führungsqualitäten bescheinigt sogar nur jeder zehnte Berater seinen Kolleginnen (Frauen: 39 %).

„Die Qualitäten weiblicher Consultants werden oft noch immer unterschätzt“, beobachtet Marcel Derakhchan. „Diese Vorurteile verhindern, dass mehr talentierte Frauen in Führungspositionen einen Mehrwert für Beratungsunternehmen bringen.“ Er empfiehlt weiblichen Consultants: „Sie sollten selbst im Driver´s Seat ihre Karriere steuern und Netzwerke bilden, ohne sich von ihren männlichen Kollegen einschüchtern zu lassen.“

 

Marcel Ramin Derakhchan

Marcel Ramin Derakhchan

Geschäftsführender Gesellschafter
Diplom-Kaufmann

Telefon: +49 89 45 70 978-22
Derakhchan@LABcompany.net

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